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Kleine Kleidungsstücke, große Emotionen

Es gibt Kleidungsstücke, die begleiten uns jahrelang, ohne je groß aufzufallen. Und dann gibt es Gürtel. Diese schmalen Lederbänder mit Schnalle, die eines Tages nicht mehr stillhalten. Die sich einfach weigern, zu schließen. Die sagen: „Bis hierhin und nicht weiter, Freundchen.“

Ich hatte so einen Gürtel. Braun, schlicht, stabil. Ein stiller Zeuge meiner Auf-und-Ab-Gewichtskurve. Anfangs war er nur Mittel zum Zweck. Irgendwann wurde er zum Maß der Dinge. Und schließlich: zum leisen Chronisten meines Abnehmens.

Ein Loch weiter

Anfangs spannte ich ihn auf das letzte Loch. Und selbst das hielt nur dank gutem Willen und Bauchspannung. Die Schnalle war mehr Symbol als Sicherung. Aber ich redete mir ein, das sei schon okay. War’s aber nicht.

Mit den ersten verlorenen Kilos kam dann dieses vorsichtige „Ein Loch weiter“. Und ich erinnere mich genau, wie ich im Bad stand und dachte: „Das fühlt sich jetzt wirklich anders an.“ Keine Heldentat. Aber ein kleiner Moment, der sich groß anfühlte.

Der Gürtel wurde zur stillen Wahrheit. Die Waage konnte schwanken, tagesformabhängig. Aber der Gürtel? Der sagte dir ehrlich: „Heute passt du besser rein.“ Oder eben: „Heute eher nicht.“

Irgendwann war ich am anderen Ende angekommen. Das letzte Loch auf der schlankeren Seite. Und plötzlich war da nicht nur Freude. Sondern auch Rührung. Der Gürtel war zu groß geworden. Und ich fragte mich: Behalte ich ihn?

Ein treuer Begleiter

Klar behalte ich ihn. Nicht aus Nostalgie. Sondern weil er für Entscheidungen steht. Für Dranbleiben. Für all die Tage, an denen ich mich gefragt habe, ob das alles überhaupt was bringt. Und an denen ich trotzdem weitergemacht habe.

Ich bin sicher, viele kennen so ein Kleidungsstück. Eines, das leise mitdokumentiert, wie man sich ändert. Das keine Zahl zeigt, aber ein Gefühl. Und das, ohne ein Wort zu sagen, ziemlich viel über einen Menschen verrät.

Wie viele Gürtel mir noch begegnen werden? Keine Ahnung. Aber dieser eine bleibt. Er ist kein Souvenir. Eher ein stiller Begleiter, der zuflüstert: Du bist auf dem Weg. Und du bist schon ziemlich weit gekommen.



Bild von StockSnap auf Pixabay


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