Zahlen schaffen Klarheit. Ob Pace beim Laufen, Herzfrequenzbereiche oder die simple Zahl auf der Waage – Metriken helfen dabei, ein diffuses Gefühl in greifbare Fakten zu übersetzen. Wer seinen Körper verstehen und verändern will, kommt an einer gewissen Datenerhebung kaum vorbei. Es ist der Versuch, das Steuer in der Hand zu behalten, statt nur Passagier im eigenen Stoffwechsel zu sein.
Doch beim Thema Ernährungstracking stößt dieser Wunsch nach Kontrolle oft auf einen Widerspruch. Der Markt für Kalorienzähler ist riesig, bunt und laut. Viele Anwendungen verlangen nicht nur monatliche Gebühren, sondern vor allem eines: Daten. Ein Nutzerprofil hier, ein Cloud-Sync dort. Das, was man isst – und damit oft auch, wie man sich fühlt oder wo man gerade schwächelt – landet auf fremden Servern.
Das Prinzip „Privacy First“
Die Vorstellung, dass intime Gesundheitsdaten oder Ernährungsgewohnheiten in einer Cloud gespeichert werden, behagte mir nicht. Dass ich abends vielleicht über die Stränge geschlagen habe, ist eine Information, die ausschließlich mir gehört. Aus diesem Bedürfnis nach Diskretion und Funktionalität entstand ein privates Projekt: Eine App, die genau das tut, was sie soll, aber dabei schweigt.
Das Ergebnis trägt den Namen Kennwert.
Ursprünglich nur als Werkzeug für den Eigenbedarf entwickelt, um die Kalorieneinnahmen und Makronährstoffe (Kohlenhydrate, Eiweiß, Fett) im Blick zu behalten, ist die App mittlerweile zu einem vollwertigen Begleiter herangewachsen. Der Ansatz unterscheidet sich dabei fundamental von vielen kommerziellen Anbietern: Es gibt keinen Zwang zur Registrierung, kein Benutzerkonto und keine Cloud-Anbindung. Alle Daten werden lokal auf dem Smartphone gespeichert und verlassen das Gerät nicht.
Technik im Dienst der Übersicht
Datenschutz bedeutet jedoch nicht Verzicht auf Komfort. Wer Kalorien zählt, möchte nicht jede Erbse einzeln wiegen und manuell eingeben. Daher greift Kennwert auf die offene Datenbank von Open Food Facts zurück. Über drei Millionen Produkte lassen sich per Barcode scannen und erfassen. Einmal abgerufen, funktioniert dies auch offline – die Datenbank wächst also mit den eigenen Gewohnheiten mit, ohne dass ständig eine Internetverbindung bestehen muss.
Für mich war das Tracken nie Selbstzweck, sondern ein Instrument zur Bewusstmachung. Es entlarvt versteckte Kalorienfallen und hilft, ein Gefühl für Portionen zu entwickeln. Wenn Technik dabei unterstützen kann, ohne gleichzeitig zum Datenkraken zu werden, ist das Ziel erreicht.
Die App ist inzwischen für Android veröffentlicht und steht kostenlos zur Verfügung. Sie ist ein Angebot für alle, die einen ähnlichen Anspruch an ihre digitalen Werkzeuge haben: Funktionalität ohne Überwachung.
Bild von Gerd Altmann auf Pixabay
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