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Parked car with crate of bottled drinks in dim garage near stairway

Der Wasserkasten steht neben dem Auto. Die Karre steht auf dem Hof, Aprilsonne, schräges Licht, ein paar Tauben auf dem Gelände des neugierigen Nachbarn. Mein Blick wandert nach oben, über die Reihe der Balkone, bis zur Wohnungstür im vierten Stock. Der Kasten wiegt rund zwölf Kilo, dazu sechs Glasflaschen. Im Kopf stellt sich die alte Frage, wer mir hilft, wer mit hochgeht, ob es zwei Gänge braucht. Sie geben sich die Klinke in der Hand, mit den kritischen Gedanken daran, wichtige Lebensentscheidungen künftig dringender zu hinterfragen. Aber sie verflüchtigt sich, wie immer.

Den Kasten nehme ich allein. Erste Stufe, zweite, dritte. Die Beine wissen, was sie tun. Sie haben es geübt, in tausend Läufen, in tausend Treppensteigereien, ohne dass jemand mitgezählt hätte. Auf der ersten Etage hätte ich vor über zwei Jahren angehalten. Das Geländer wäre meine Krücke gewesen, der Atem ein leises Pfeifen, das mir nachgegangen wäre wie eine schlecht bezahlte Begleitkapelle. Damals hat der Körper jedes mal gerechnet, ohne dass ich ihn gefragt hätte: wieviel von dieser Last bin ich, wieviel der Kasten? Die Antwort war jedes Mal unbequem. Scham folge instantan.

Heute steige ich weiter. Zweite Etage, dritte. Vor dem dritten Absatz setze ich kurz ab, weil ich die Hand für den Schlüssel frei brauche. Das ist kein Schwächeanfall, das ist eine clevere Werkzeugfrage. Vierte Etage, Tür auf, Kasten in die Küche. Erledigt. Oh, ich habe vergessen den Müll rauszubringen? Dann schnell nochmal los. Wundervoll, was jetzt alles geht, ohne direkt eine existenzielle Krise durchmachen zu müssen.

Die Waage – das verflixte Miststück – hat von alldem nichts gewusst. Sie steht im Bad und kennt die Zahl von damals und die Zahl heute, und dazwischen einen mal mehr mal weniger geraden Strich. Was sie nicht kennt, sind die Stufen. Sie zählt Kilo, nicht Etagen. Das ist ihr nicht vorzuwerfen, es ist ihre Bauart. Eine Waage hat eine einzige Spalte, und in diese Spalte passt eine einzige Sorte Antwort. Wer von ihr wissen will, ob die Treppe leichter geworden ist, hält ihr eine Frage hin, für die sie kein Display hat. Sie würde nicht widersprechen. Sie würde nur weiter ihre Zahl zeigen, höflich und unbeirrt, wie ein Aufzug mit nur einem funktionierenden Knopf.

Es gibt mehr Etagen, die niemand zählt. Die Hocke vor der untersten Schublade, in die ich seit eineinhalb Jahren wieder hineinkomme, ohne mich an irgendwas festzuhalten. Das Bücken, um den Schuhriemen zuzuziehen, ohne dass die Lunge erst um Aufschub bittet. Die fünfzehn Minuten am Schneidebrett, ohne dass die Waden anfangen, eine eigene Politik zu entwickeln, nur um dann per Eilverfahren eine Gewerkschaft für belastete Waden zu Gründen, um dann schließlich den Arbeitskampf zu beginnen. Der schwere Topf vom oberen Regal, einhändig, im Vorbeigehen. Nichts davon hinterlässt eine Spur in einem Diagramm. Wer es nicht selbst erlebt hat, weiß nicht, dass es vorher anders war.

In der Küche, steht der Kasten neben dem Kühlschrank. Sechs Flaschen, im Stehen aufgebaut. Es ist nichts passiert, was eine Geschichte wäre. Flasche auf, ein Schluck. Die Waage im Bad wartet auf morgen früh, wenn ich barfuß auf ihr stehe und sie mir wieder ihre eine Kennzahl vorhält.


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