Das untere Fach im Keller-Regal lässt sich schwer öffnen. Eine Schiene hängt, weil ein Versandkarton darunterklemmt, einer vom letzten Sommer. Dahinter drei Pulverdosen, eine angebrochen, zwei mit intakter Folie. Daneben eine flache Schachtel Slim-Sticks, Geschmack Vanille, das Verfallsdatum ein gutes Jahr vorbei. Bezahlt, ausgepackt, ein-, zweimal probiert, weggestellt.
Gekauft habe ich beides, weil es nach Abkürzung klang. Das Pulver sollte den Stoffwechsel ankurbeln, ohne dass ich sonst etwas ändere. Die Sticks sollten satt machen, ohne dass ich weniger esse. Genau das war der Reiz: ein Ergebnis, für das ich nichts tun musste. Das hielt bis zum ersten Löffel.
Geliefert wurde alles, gehalten nichts. Beanstandet habe ich trotzdem nie etwas, kein Brief, kein Antrag auf Rückerstattung. Man reklamiert kein Versprechen, das man selbst zu gern geglaubt hat.
Was am Ende geholfen hat, lag nie in diesem Fach, und es kam ganz ohne Versprechen aus. Ein Paar Schuhe. Das Frühstück, das jeden Morgen ausfiel, die erste Mahlzeit erst mittags. Der Salzstreuer, der seltener über den Teller wanderte. Der Blick darauf, was überhaupt auf dem Teller lag. Nichts davon war originalverpackt, nichts trug ein Etikett, auf dem stand, was es leistet. Für jedes musste ich etwas tun, jeden Tag.
Eigentlich müsste das Fach längst leer sein. Aber das Zeug, das ohne Aufwand wirken sollte, ist mir nicht einmal den Aufwand wert, es wegzuwerfen.
Das Fach geht nicht ganz zu. Eine Pulverdose kippt nach vorn, halb heraus. Mit dem Knie drücke ich sie zurück, dann rutscht das Fach zu. Im Keller ist es kalt. Oben neben der Tür stehen die Schuhe.
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