Jemand hebt das Handy, die Köpfe rücken zusammen, in der Reihe bleibt eine Lücke. Sie ist für mich. Mein Fuß zögert, deutet den halben Schritt zur Seite an, den alten, und bleibt dann stehen. Ich stelle mich in die Lücke. Sieht nach nichts aus. Ist es nicht.
Ich hatte einige Übung darin, nicht ins Bild zu geraten. Kam eine Kamera hoch, war ich schon aus dem Ausschnitt, dazu ein Satz, der nach Aufgabe klang. „Einer muss ja knipsen.“ Die Ausreden lagen bereit wie Werkzeug in der Schublade, für jede Gelegenheit das passende Stück: das mit dem Kuchen, der geholt werden müsse, das mit dem Licht, das viel zu schön sei, um selbst davorzustehen. Aufgefallen ist keine, weil keiner nachfragte. Den freiwilligen Fotografen fragt man nicht, man ist froh, dass einer es macht.
Was der Bildrand schützte, habe ich lange nicht benannt. Es leuchtet erst im Rückblick ein. Ein Bild ist ein Beweis. Kein Bild, kein Beweis. Solange ich nicht im Rahmen stand, gab es nichts, das später jemand anschauen konnte, nichts, das sich mit dem vergleichen ließ, was ich im Spiegel ohnehin mied. Das Hemd, das spannte. Das Kinn, das doppelt wurde, sobald der Kopf sich neigte. Der Bildrand war kein Zufall. Er war der einzige Platz auf jeder Feier, an dem ich sicher war.
In den Alben aus diesen Jahren klafft eine Lücke, wo ich hätte sein müssen. Gemerkt hat sie keiner, ich am wenigsten, ich hatte ja selbst dafür gesorgt. Aber eine Leerstelle ist auch ein Bild. Sie zeigt einen, der beschlossen hat, dass es ihn besser nicht gibt. Jedenfalls nicht zum Anschauen.
Wann der Reflex ausblieb, kann ich nicht auf einen Tag legen. Irgendwann hob jemand das Handy, die Lücke war da, und mein Fuß blieb, wo er war. Ohne Entschluss, ohne inneren Applaus, eher eine Angewohnheit, die aufhört, weil ihr der Anlass fehlt. Schön finde ich mich darauf nicht, freiwillig würde ich noch immer keine Fotos von mir machen. Aber mich auf einem zu sehen, löst nichts mehr aus, keinen Schreck, kein Kramen nach einer Ausrede. Es ist kein Frieden mit dem eigenen Bild, eher ein Widerstand, der leiser wird. Ich lerne, mich auf einem Foto stehen zu lassen.
(Titelbild mit KI generiert)
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